Nein, das ist keine Petitesse, was dieser Herr Weimer da so nach seinem Gusto zu steuern versucht:
„Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, schloß drei Buchhandlungen mit politisch linksgerichtetem Programm vom diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreis aus. Laut einem Sprecher des Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung erfolgte die Entfernung der drei Buchhandlungen, die für die Auszeichnung ausgewählt wurden, aufgrund von ,verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen’. Dieses Vorgehen sei Teil von Weimers Plan, jeglicher Form von Extremismus konsequent zu begegnen.“ (auf kunstforum.de)
„Bei den Buchhandlungen handelt es sich um ,Golden Shop’ aus Bremen, ,Rote Straße’ aus Göttingen sowie ,Zur schwankenden Weltkugel’ aus Berlin.“ (auf n-tv.de)
Da werden also, nachdem sie bereits für die Auszeichnung ausgewählt wurden, drei Buchhandlungen wieder von der Liste entfernt, weil sie zu links sind oder für die Vorstelllungen des Staatsministers nicht konform genug. Darum hat er den Verfassungsschutz damit beschäftigt, wie man allenthalben nachlesen kann. Was er gar nicht gedurft hätte, wie man auch mancherorts lesen kann. Wie dem auch sei – Verfassungsschutz gegen Läden, die Bücher verkaufen! Das muss man sich mal vorstellen. Wie weit sind wir denn von Bücherverbrennungen 2.0 entfernt, Herr Weimer?
In den Pressemitteilungen des „Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ findet sich zu diesem ganzen Sachverhalt: nichts.
Ich persönlich lese jedenfalls eine solche Meldung im Jahr 2026 und fühle mich einen winzigen Moment lang, als sei ich im Geschichtsunterricht Obersekunda, Thema Nazideutschland…
Aber nein, es ist die Gegenwart. „Das freie Wort“ – daß ich nicht lache! Und ich Naivchen dachte doch tatsächlich, unsere spezifischen Erfahrungen mit dem Unheil würden verhindern, daß dieses erst gedankliche, dann faktische Dunkel in unserem Land jemals wieder so erstarkt.
Herrje. Wo soll ich als politisch aufmerksamer Mensch eigentlich noch Zuversicht und einigermaßen gute Laune herbekommen?
Update 7.3.: Wie kann es sein, dass Minister*innen einfach so den Inlandsgeheimdienst auf Buchläden ansetzen können? Was ich in spontanem Unbehagen mit meinem Beitrag nur kurz angerissen habe, gibt es bei netzpolitik.org jetzt als sehr detaillierte und lesenswerte Analyse.
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Viele viele Leute sollten ihm jeder ein einzelnes Streichholz schicken, vilelleicht merkt er dann was?!
Oder, falls er des Lesens mächtig ist, passende Lektüre, z. B. „Wie werde ich Feurewehrmann?“. Ihr wisst schon, einer von der Sorte 451° F.
Ist wahrscheinlch auch ein bisschen naiv gedacht.
Super Kommentar, liebe Uschi. Und gute Idee von Elfi. Leider bemerke ich in allen politischen Bereichen diese „Rolle rückwärts“. Grundrechte, Völkerrecht – wen schert´ s.