Die für uns offiziell zuständige Postfiliale am Pontdriesch in Aachen wird geleitet von einem Typen, dem grundsätzliche Verkniffenheit und unsympathisches Erbsenzählertum aus jedem Knopfloch strahlen – das denke ich nicht erst seit heute, aber spätestens heute hätte ich damit begonnen, es zu denken.

Ich verbrachte nämlich heute morgen dort einige Zeit in der Warteschlange und konnte mich in Ruhe umsehen und mir meine Gedanken machen. Als ich endlich an der Reihe war – bei Herrn Wichtig persönlich –, wickelte ich erst die Päckchenabholerei ab und meinte dann, ob ich ihm einen nett gemeinten Verbesserungsvorschlag machen dürfe: Warum sie denn nicht statt der Geschäftsbedingungen (A2-Format eng mit Text bedruckt) das Plakat mit den Briefmarken (A2-Format mit Abbildungen und Infos zu den Neuerscheinungen) näher an die Warteschlange hängen würden, so daß man es von dort bequemer betrachten könne? Das würde doch nur den Tausch der beiden Rahmen erfordern und wäre für die Kunden viel interessanter.

Oh je, da hatte ich aber was gesagt.

Räuspert sich: „Also, für DIE DREI KUNDEN, die sich überhaupt noch für Marken interessieren, brauchen wir hier wirklich nichts umzuhängen! Ich bin sowieso heilfroh, wenn es endlich überhaupt keine Marken mehr gibt – was soll der Quatsch? Altmodisch, lästig und ungenau! Werden ja schon gar keine Prospekte mehr dazu gedruckt! Und die Erben! Die wissen sowieso nicht, wie sie das Zeug loswerden sollen!“

Meinen Einwand, ich würde aber viele Menschen kennen, die gerne „immer noch“ schön frankierte Echtpost verschicken, beantwortete er mit einem „Die verkehren dann aber nicht in dieser Filiale! Wissen Sie, für DIE DREI KUNDEN, die sich überhaupt noch für Marken interessieren, brauchen wir…“ An der Stelle unterbrach ich ihn mit dem Hinweis, er müsse das wirklich nicht noch einmal ausführen, ich – als ebenfalls Kundin – hätte das auch beim ersten Mal verstanden und mich da schon gebührend unwichtig gefühlt. „Tja! Das! Tut! Mir! Leid! Für Sie!“ (Arschloch.)

Abgesehen davon, daß der Mann dringend eine Schulung in freundlichem Kundenumgang braucht, hoffe ich inständig, daß seine ästhetikfeindliche Denke ein Einzelfall ist und nicht symptomatisch für die gesamte Institution Post – sonst sehe ich schwarz für schöne Briefe und Postkarten, meine lieben Leidenschafts-Echtpost-Verschickerinnen und -Verschicker, Ihr philokartistischen Schwestern und Brüder im Geiste…


 

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