Es folgt ein ausführlicher Stoßseufzer aus gegebenem Anlaß.

Wer jemanden kennt, der Webseiten baut, betreut oder betreibt – und bei allein über 16 Millionen .de-Domains, die es in Deutschland gibt, ist die Chance ziemlich groß –, muß momentan ganz viel liebevolle Geduld mit diesen Menschen haben. Denn über allen hängt ein juristisch-technisches Damoklesschwert, das am 24. Mai um Mitternacht herabfallen kann, und deshalb sind sie nervös bis panisch, jedenfalls nicht so strahlend gut gelaunt wie sonst.

DS-GVO ist die Abkürzung für Datenschutz-Grundverordnung und betrifft absolut jeden. Die löbliche Absicht, daß die persönlichen Daten der Webseiten-Besucher in Zukunft, also ab Inkrafttreten am 25. Mai, besser geschützt werden, bedarf wohl keiner detaillierten Rechtfertigung – das kann man nur gutheißen. Würde man daran glauben, daß die bekannten, vor allem überseeischen Datenkraken sich ebenfalls nach dem Stichtag in Europa an europäisches Recht hielten, könnte man sich zufrieden zurücklehnen und ein paar Änderungen in Kauf nehmen.

Denn für Webseiten-Besucher, Fakten-Recherchierer, Newsletter-Anforderer und Online-Kaufende werden es im täglichen Gebrauch nur ein paar spürbare Änderungen an der Oberfläche sein. Der nervige Cookie-Klick… Ein paar Häkchen mehr, bevor man auf „Absenden“ oder „Bestellen“ klicken kann… Solche Kleinigkeiten.

Für diejenigen, die im Hintergrund des Internets arbeiten an dieser schönen, bunten, interessanten Oberfläche, sieht das Thema ganz anders aus. Sie müssen jede Webseite durchkämmen nach jeder klitzekleinen Zusatzfunktion, die eventuell mit den Daten ihrer Besucher irgendetwas macht, und sei es nur, sie für eine gewisse Zeit zu speichern. Warum geschieht das? (Dokumentiere das!) Wo gehen die Daten hin? (Gib die Adresse und die Verantwortlichen bekannt!) Sieht ein fremdes Unternehmen die Daten? (Dann mach einen Vertrag mit dem fremden Unternehmen!) Ist das überhaupt legal? (Prüfe das! Wenn nein, installiere eine andere Zusatzfunktion stattdessen!) Steht das alles schon in Deiner Datenschutzerklärung? (Ändere sie!) – Ich spare mir hier weitere Einzelheiten…

Jedenfalls ist es eine riesige Fleißarbeit, die alle zur Zeit leisten müssen! Nachdem sie zuerst viel Zeit damit verbracht haben, das ganze Verfahren überhaupt so weit zu verstehen, daß sie es auch praktisch umsetzen können. Deadline ist der 25. Mai, keine Fristverlängerung. (Übrigens muß auch danach alles weiter gepflegt werden, z.B. jede Änderung dokumentiert werden, doch das ist dann nicht mehr solch eine Herkulesaufgabe wie im Moment, sondern wird zur Arbeitsroutine werden.)

Wie hanebüchen man es auch finden mag, ein persönlicher Blog wie dieser hier – dem man im Prinzip schon mit der Verlinkung eines Restaurants die Absicht der Gewinnerzielung unterstellen könnte, wogegen ich im Abmahnfalle erst einmal in der Beweisnot wäre – unterliegt dabei denselben inhaltlichen Anforderungen wie ein Großunternehmen. Und das ist der eigentliche Irrwitz an der Sache. Denn all „die Kleinen“, ob Blogger, Vereine, Freiberufler oder Kleinunternehmen, die haben gar nicht das Budget, sich ganz cool einen Datenschutzbeauftragten ins Boot zu holen und den die Sache regeln zu lassen – die müssen selbst regeln.

Besonders abstoßend finde ich übrigens den wahrscheinlich zutreffenden Gedanken, daß Abmahn-Profis schon jetzt ungeduldig mit den Füßen scharren, um allen, die es doch nicht pünktlich schaffen, das Leben schwer zu machen. Sicher haben sie längst gründliche Schulungen gehabt dazu, worauf sie achten müssen, um Fehler sofort zu erkennen und dann zuzuschlagen… Widerliches Pack, diese Abmahnbranche.

Also, wie heißt es so treffend? Wat mutt, dat mutt… In diesem Sinne tauche ich dann mal wieder ab in meine Werkstatt.

(Das Foto zeigt meinen Ordner „Kunden im www“, der normalerweise ziemlich dünn ist und nur hervorgeholt wird, wenn ich mal etwas nachgucken muß. Momentan nehme ich ihn abends immer mit nach Hause, um nach dem Abendessen weiterzuarbeiten an dem Thema. So ist das.)


 

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