Ein kleiner Blogbeitrag von Marc Heckert warf mich vor ein paar Tagen zurück in eine wohlige Auto-Nostalgie… Um dann als erstes festzustellen, daß ich – als es noch auf jedes Bild auf einem Film ankam – deutlich weniger Auto fotografiert habe als heute. Ich finde tatsächlich von meinem geliebten R4 nur ein einziges Foto und das ist auch nur eine Teilansicht aus einem Urlaub 1984 an der Algarve. Da, wo immer so viel Wind und Sand ist…

Jedenfalls war der R4 das genialste Auto der Welt! Nicht nur, daß ich mehrmals mit ihm durch halb Europa bis Gibraltar zockelte, er stand mit mir gemeinsam auch eine fruchtlose Fernbeziehung Aachen-Heilbronn durch (bei der hauptsächlich ich fuhr, wie blöd verknallt kann man sein), er zog mit mir um – unvergessen der unbefestigte, nur mit den Händen festgehaltene, ins Rutschen kommende Kleiderschrank vom Lavenstein über die Schanz zur Gartenstraße – und transportierte mich vor allem viele Jahre zuverlässig durch meinen Studentinnen-Nebenherjob-Alltag und meine ersten Berufsjahre.

Phantastisch die durchgehende Sitzbank, kennt ja heute keiner mehr. Herrlich bequem der Schaltknüppel der Pistolenschaltung, auf dem man bei langen Fahrten seinen Arm ablegen konnte. Ein Reifenwechsel war ein Klacks. Und was paßte nicht alles in diese große Klappe rein! Zum Beispiel auch ich selbst, wenn ich kurzentschlossen doch in Domburg übernachten wollte, statt noch nach Hause zu fahren. Und bei Schnee ließ der kleine Frontantriebler jeden Mercedes und BMW hinter sich, auch mit Sommerreifen.

Natürlich hatte er auch – hey, nur wenige! – Schwächen. Ich erinnere mich an eine Fahrt nach Düsseldorf, die ich bereits bei der Abfahrt Alsdorf abbrach: es regnete dermaßen stark, daß die putzigen Scheibenwischer einfach der Wassermassen nicht mehr Herr wurden und ich es mit der Angst zu tun bekam.

Die zauberhafteste R4-Geschichte aber haben meine Eltern produziert: Als mein kleiner Bruder ca. 1978 noch ein winzigkleiner Bruder war, wollte-mußte-wasweißich meine Mutter mit ihm in die Schweiz fahren. Also wurde in ihrem R4 die Rückbank ausgebaut (das waren zwei dicke Schrauben, mehr nicht) und der entstandene Raum, ungefähr Laufstallgröße, gummizellenmäßig mit 10 cm dickem Schaumstoff ausgekleidet. Oben noch ein dickes Seil rundum zum Festhalten, fertig. Hier konnte das Kleinkind während der Fahrt fröhlich herumpurzeln oder aus dem Fenster gucken, ohne daß ihm etwas passieren konnte… Mutter und Kind kamen selbstverständlich wohlbehalten in Genf an.

Ja, wir waren damals eine R4-Familie, meine Mutter liebte ihren – der war froschgrün – und ich liebte meinen knallroten… Weil ich um die Rostgefahr wußte, schmückte ich das Auto frühzeitig mit vielen bunten Sternen, um später unauffällig Roststellen kaschieren zu können. Designer müssen sowas machen…

Viele kleine flotte Fahrzeuge später habe ich mit dem Mini nun wieder ein Auto, das mich so beglückt wie damals mein R4. Aber „mein Erster“ bleibt unvergessen.