Ich bin eine älteste Schwester, seit ich fünf wurde, und ich habe diese Rolle fast nie gemocht. Ich wünschte mir insgeheim immer einen großen Beschützer-Bruder oder die Geborgenheit eines „Küken“-Daseins oder symbiotische Seelenverwandschaften untereinander. Träume… Doch älteste Schwestern werden scheinbar nicht so inniglich geliebt, da bin ich überhaupt kein Einzelfall.

Ich (er)lebte viel „Du mußt ein Vorbild sein“ von klein an, ob es nun in jungen Jahren um das Decken des sonntäglichen Frühstückstisches oder das Fahrrad-selbst-reparieren-Können oder das Unkrautrupfen im Garten oder was auch immer ging oder später darum, auf „alles“ aufzupassen, während die Eltern (so was traute man sich in den 70ern noch…) auf eine kinderlose Wochenendtour entschwanden – das, was mein Mann heute als mein calvinistisches Pflichtbewußtsein belächelt, wurde mir schon früh beigebracht.

In mir drin war ich ein eher unsicheres und schüchternes Mädchen und fand mich weder besonders gut noch gar vorbildlich. Ein sehr anderes Innen als mein Außen… Dieses zerrissene Grundgefühl ist mir im Prinzip tatsächlich bis heute geblieben (auch wenn sich die beiden Pole inzwischen mehr angenähert haben, alles andere wär ja auch schlimm).

So was muß man sich einfach mal klarmachen. Wie es zu Attitüden und Ansprüchen und Selbstverständnis kommt – wie ein Mensch zu dem wurde, der er ist. Dieses verzwickte Rollenspiel innerhalb einer Familie kann hochkomplex sein und das ganz ohne „Gute“ und „Böse“. Zum Glück ist man ja irgendwann alt genug, das alles ein bißchen besser zu verstehen…

Wie ich da jetzt drauf kam? Ich habe gestern alte Familienfotos eingescannt.