Dies ist der persönliche Blog einer Design-und-Text-Handwerkerin. Er dreht sich um ihren grundsätzlich vergnügten Alltag zwischen Beruf und anderen Berufungen. Seit 2008.
Schauplatz > Aachen. | Altersklasse > ja. | Themen > querbeet.

Nein, ich bin kein kreatives Genie, das lange schläft, dann ein bißchen herumdenkt und am Ende ein fettes Honorar für den einen weltverändernden Geistesblitz einstreicht. Ich bin nur eine ideenreiche Person mit einem Grafik-Design-Studium, die sich hauptsächlich im Feld der eher pragmatischen Gebrauchsgrafik bewegt. Ich habe den Beruf in den 80er Jahren gelernt, streng analog mit Satzfahnen, Fixogum, Sprühkleber, Schere, Druckfilmen, Retuschen und angemessenen Zeitabläufen. Ich bin seit 1990 selbstständig und den ganzen digitalen und Online-Bereich habe ich mir später nach und nach durch „learning by doing“ angeeignet. Ich bin quasi ein Hybrid, denn ich kann – und mag – beide Welten…

Grafik-Design ist Inspiration, Wissen, Erfahrung, Talent, außerdem eine nicht zu unterschätzende Portion Sorgfalt und Handwerk. Der Computer ist dabei ein Werkzeug, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich persönlich habe mein nachweislich vorhandenes Zeichentalent über Jahre sträflich brachliegen lassen, dafür aber ein verläßlich gutes Gespür für Layout, für die gefällige Kombination von Text- und Fotoelementen, für einen wirksamen Slogan und den kurzen Text „auf den Punkt“. Ich achte für meine Kunden auf Kontinuität in ihrer Außenwirkung. Ich bin der verblüffungsfeste Ruhepol in Chaosprojekten – wie z.B. Magazinen mit vielen Anzeigenkunden. Ich denke mit, immer. Ja, ich tu, was ich kann. Sic!

Neue Logos entwerfe ich gar nicht so oft, wie man vielleicht denken mag. Denn bis auf Existenzgründer (aka Start-Ups) haben ja die meisten Unternehmer, die eine Zusammenarbeit mit meinem Büro beginnen, bereits ein Logo.

Aber Logos sind natürlich mit die tollsten Aufgaben überhaupt! Sie bilden den Grundstein zum kompletten Erscheinungsbild eines Unternehmens, sie sehen am Ende so harmlos und einfach aus und sind doch das Ergebnis vieler verschiedener Überlegungen. Neben allen Marketing-Aspekten sind es dann am Ende auch noch ganz praktische Fragen, wie zum Beispiel: Funktioniert das Logo als großes Banner auf der Messe genauso gut wie als winzige Krawattennadel am Mann? Sieht es auch in schwarz-weiß gut aus, also auf Kopien und als Fax?

Den Traum, ein zeitloses, einprägsames, pures, nicht mehr verbesserungsfähiges Logo zu entwickeln, träume ich wahrscheinlich gemeinsam mit allen Grafik-Designern dieser Welt. Doch das wahre Leben fordert manchmal komische Farben, merkwürdige Bildchen und prätentiöse Schriften von uns und nicht immer können wir alles abwenden, wogegen sich unser innerer Ästhetiker sträubt.

Aber ich will nicht knöttern – die größte Kunst des Designers ist für mich nämlich nicht, meinen eigenen Stil durchzudrücken, sondern aus den Wünschen meiner Kunden mithilfe meines Könnens ein schönstmögliches Endergebnis zu kreieren. Mit dem vor allem der Kunde sich wohlfühlen muß, nicht ich. (Der Idealfall ist natürlich, wenn am Ende beide glücklich sind.) Also: ein Logo, bitte…

Zunächst gibt es ein Gespräch mit dem Kunden. Was macht sein Unternehmen? Wer sind seine Kunden, seine Zielgruppen? Was sind seine Vorstellungen zum Logo? Will er einen Schriftzug oder auch Symbolik? Gibt es Lieblingsfarben? Und so weiter.

Wieder im Büro, gucke ich mir erst einmal an, was die Mitbewerber des Kunden für Logos haben. Das ist heute dank Internet viel schneller zu recherchieren als früher und beschützt uns vor versehentlichen Dopplern bereits vorhandener Ideen.

Soll das Logo ein Symbol bekommen, fange ich damit an, dazu Skizzen zu machen, bis ich eine grobe Vorstellung habe.

Als nächstes spiele ich den Namen des Unternehmens und den eventuellen zusätzlichen Text – Firmierung oder Branche oder Claim – in einigen meiner (circa 800 vorrätigen) Schriften durch, die ich für passend halte. Inzwischen passiert die Schriftenauswahl natürlich immer unter Berücksichtigung der verschiedenen Print- und Web-Erfordernisse, denn auch technisch sollte die Typografie am Ende in beiden Welten funktionieren und für optische Harmonie sorgen. Früher war das anders, da guckte man in den LetraSet-Katalog und suchte sich darin eine passende Schrift nur für das Logo aus. Hach, Leute, LetraSet – wißt Ihr noch? Ist übrigens genauso alt wie ich…

Dann erstelle ich einige fertige Logo-Entwürfe aus den Varianten, die mir gut gefallen und zielführend im Sinne des Kunden sein könnten. Mit den mehreren verschiedenen Entwürfen gehe ich zum Kunden. Und entweder verliebt er sich sofort in eine der präsentierten Varianten – oder wir müssen hier im Büro nochmal „ran“, dann natürlich versehen mit den hilfreichen Anmerkungen des Kunden.

Ein Logo ist der Beginn der Entwicklung eines neuen Erscheinungsbildes – die berühmte Corporate Identity – für ein Unternehmen, ein Büro, einen Freiberufler, einen Verein. Wie es dann weitergeht, zum Beipiel mit der sogenannten Geschäftsausstattung, das erzähle ich demnächst. Die Folgen der kleinen Serie erscheinen weiterhin unregelmäßig, aber wenn, dann montags…

Teil 1: Das Equipment


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