#WmDedgT ist die Kurzform für “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und wurde 2013 von Frau Brüllen eröffnet – jeden Monat am 5. protokollieren die Mitmachenden ihren Tag. Einblicke in den Alltag vieler Leben und Berufe und vor allem über den eigenen Tellerrand hinaus. Hier schreibt eine Design-und-Text-Freiberuflerin mit Ehemann, Dachwohnung und Souterrainbüro im selben Haus…

7:10 | Fünfmal Snooze-Taste und „schon“ ist es passiert… Das ist für mich fast wie verschlafen haben. Da ich aber gestern früh schon um halb fünf knallwach war, ist das nur der Ausgleich. Zumal ich heute keine Termine habe.

Kaffeekochen und der übliche Kram am Morgen… Dazu gehört auch, wie immer, bei Instagram ein Stückchen Bilder zu gucken und Twitter zu lesen.

Instagram spült mir Werbung für Bienenwachstücher aufs Display, ein Thema, das mich schon länger interessiert. Endlich gibt es hübsche – mit Blockstreifen statt mit floralen Niedlichkeiten – und nun werde ich sie mal ausprobieren. Erstens will ich wissen, ob mich der Geruch (falls sie einen haben) genauso stört wie bei Bienenwachskerzen, und zweitens natürlich, ob sie gut funktionieren. Wir benutzen zwar sowieso so gut wie keine Alu- oder Haushaltsfolie, aber trotzdem…

(Ob der Instagram-Algorithmus mich wohl irgendwann als komplett uninteressante Person rauswirft, weil ich mir regelmäßig die Mühe mache, 98% aller Werbung mit „nicht relevant“ zu kennzeichnen? Außerdem klicke ich NIE direkt von Instagram aus Schaltflächen zu einem Produkt an, sondern suche es mir bei Interesse auf dem Laptop – in der Hoffnung, daß das ein weiteres kleines Austricksen ist.)

8:30 | Ich bin immer noch oben, immer noch im Bademantel, aber habe trotzdem schon viel getan bzw. getippt. Doch jetzt ziehe ich mich an und beginne dann den Tag im „richtigen“ Büro. Auf meinem Zettel stehen drei Wichtigkeiten.

Was will das eigentlich heute für ein Wetter sein? Wir dachten nämlich ursprünglich für heute abend an gemütliches Rumsitzen im Garten der Lieblingskneipe, denn der BaM und sein doofes Hyperakusis-Ohr können derzeit ja gar nicht gut mit lauten Innenräumen… Mal sehen.

9:00 | Ankunft. Mauerblümchen vor der Tür: überbordend gewachsen. Spinnenkontrolle drinnen: keine. Bildschirm: startet ohne Murren zusammen mit dem PC. Ein guter Morgen!

Na ja, fast. Lärmpegel: die Nachbarn lassen einen Teil ihres Gartens pflastern. Seit Tagen. Ich kenne nicht die Fachausdrücke für das, was da jeweils passiert, aber fast alle Arbeitsschritte sind laut. Nun ja – wat mutt, dat mutt.

9:30 | Nachdem der Einkaufszettel fertig ist, radele ich zunächst zum Hit. Mitten in der Gemüseabteilung beginnt meine Migräne-Aura, na toll. Außerdem habe ich den Zettel zuhause vergessen, das macht aber nichts, denn den könnte ich jetzt gerade gar nicht lesen. Ich kaufe nach Gedächtnis und nehme zusätzlich die kleine Massagekugel am Tchibo-Stand mit, habe ich doch gerade gestern ein interessantes Video über das punktuelle Massieren einer Stelle am Kopf als wirksames Mittel gegen Migräne gesehen. Prima Zufall, nun kann ich das mal ausprobieren, ohne direkt satte sechzig Euro für das Super-Duper-Anfänger-Massage-Basis-Set aus Gutmenschenholz und Ökohartgummi anlegen zu müssen. Tchibo bietet zwar viel Quatsch an, aber manchmal auch richtig gute Sachen für wenig Geld.

10:00 | Die Sehstörung dauert bei mir immer nur ungefähr eine halbe Stunde, die Kopfschmerzen scheinen sich in erträglichen Grenzen zu halten, also kann ich jetzt arbeiten. Ich widme mich auftragsgemäß dem Thema „mobile Pflege“ und hoffentlich gefällt der Kundin, was ich mir ausdenke. Es ist gar nicht so einfach, in einer boomenden Branche mit viel Konkurrenz etwas textlich und auch optisch Neues, Anderes, Hervorstechendes zu entwickeln… Spannend.

Draußen heulen die Sirenen, es ist „Landesweiter Warntag 2019“.

15:00 | Bin ein gutes Stück weitergekommen mit der mobilen Pflege und muß für heute damit aufhören, um wieder Abstand zu gewinnen. Irgendwas stört mich noch, aber ich kriege es nicht zu fassen. In den ersten Berufsjahren haben mich solche Momente verzweifeln lassen, heute weiß ich, das kommt…

Da momentan kein Termin-Streß ist, packe ich zusammen und gehe nach oben. Da wartet unter anderem das persönliche Projekt Küchenschrank. Den muß ich nämlich komplett ausräumen und sein Innenleben demontieren, um die Löcher für neuen Einzel-Teleskopschubladen anzuzeichnen. Dann kommt nächste Woche ein lieber Freund und montiert mir mithilfe seines Akkuschraubers die neuen Teile. Juchhu! Mit dieser Kramerei fange ich jetzt mal an.

Unterdessen stinkt der ganze Stadtteil. Es regnet nämlich von Zeit zu Zeit und das hat wohl die Bauernschaft güllemäßig aufgeweckt. Ja, so ist das halt, wenn man genau zwischen Stadt und Land wohnt…

So ein Vorratsschrank enthält ja ungeahnte Bomben. Wie zum Beispiel selbstkriechendes Pesto. Überhaupt sollte man alles mit viel Öl offenbar nicht so langfristig bevorraten. Hrmpf. Ich räume, putze, sortiere aus… Keine Tätigkeit für Ungeduldige.

Zwischendurch kommt der Chef (kleiner Scherz…) nach Hause mit Aldi-Einkäufen und kritischem Blick auf die temporäre Unordnung auf dem Wohnzimmertisch – gefällt mir auch nicht, aber irgendwo muß ich die Sachen ja zwischenlagern.

17:15 | Ich bin nicht fertig mit dem Schrank, habe aber eigentlich keine Lust mehr für heute. Ich trödele noch ein bißchen durch die kleinen, notwendigen Haushaltshandgriffe, bevor gleich Trash-TV-Gucken mit Twitter angesagt ist. Man merkt schon: das Ausgehen ist wegen Regens und Kühle gestrichen. Und heute abend gibt es Artischocken-Frittata mit Zucchini-Salat, das Rezept hörte sich so toll an. Ich berichte.

18:00 | Habt noch einen schönen Abend!

Nun verlinke ich meinen Beitrag noch rüber zum aktuellen #WmDedgT von Frau Brüllen, wo unter ihrem eigenen Beitrag auch eine Linkliste der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu finden ist.

(Die vielen schönen Beiträge kann man unmöglich alle lesen – ich kriege das jedenfalls zeitlich nicht hin. Deshalb picke ich mir immer den ersten Blog mit interessant klingendem Namen raus und ab da stur jeden zehnten und diese Auswahl lese ich dann. So komme ich mit der Zeit auch ganz schön rum…)


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