Dies ist der persönliche Blog einer Design-und-Text-Handwerkerin. Er dreht sich um ihren grundsätzlich vergnügten Alltag zwischen Beruf und anderen Berufungen. Seit 2008.
Schauplatz > Aachen. | Altersklasse > ja. | Themen > querbeet.

#WmDedgT ist die Kurzform für “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und wurde 2013 von Frau Brüllen eröffnet – jeden Monat am 5. protokollieren Blogger ihren Tag. Einblicke in den Alltag vieler Leben und Berufe und über den eigenen Tellerrand hinaus. Hier schreibt eine Design-und-Text-Freiberuflerin mit Ehemann, Dachwohnung und Souterrainbüro im selben Haus…

7:00 | Die Zeit, zu der ich immer wach werde, egal, welcher Wochentag. Langweilt Euch manchmal auch Eure morgendliche Routine, dieses immer Gleiche? Aufstehen, Klo, Kaffee aufsetzen und ins Bad… Jeden und jeden Morgen. 

Vor dem ersten Kaffee krame ich heute die Spülmaschine aus und ein – ich mache das lieber in der Frühe als abends spät noch.

Mit dem ersten Kaffee setze ich mich dann zum Schmökern vor den Laptop, das ist schön, die Wohnung ruhig und meine Gedanken ganz bei mir. Auf Twitter habe ich ein Gespräch über Bier – um die Zeit! – und über die vielfach aufkeimende Lust, sich eine Drohne zuzulegen. Lustig, noch sind alle in meiner Bubble vernünftig.

Ich habe mich hingegen bereits für ein ganz anderes Gadget entschieden und bestelle den nicht ganz billigen, aber sehr solide wirkenden Rollschleifer, um den ich gedanklich nun schon seit einiger Zeit herumschleiche. Als ich gestern dem baM* davon erzählte, bekam er auch ganz glänzende Äugelchen – er liebt es, unsere Messer zu schleifen, und fand diese Erfindung auch ziemlich genial. Nun sind wir neugierig.

Vor dem Anziehen probiere ich zwei bestellte Jeans meiner Lieblingsmarke an, die gestern ankamen, und bin froh, daß ich trotz der unglaublichen Corona-Trägheit noch in dieselbe Größe wie vor zwei Monaten passe. Es ist nicht alles verloren!

9:00 | Ich bin endlich “ordentlich” angezogen und checke und beantworte erst einmal E-Mails. Außerdem bereite ich den Instagram-Post für eine Kundin vor, dann brauche ich Donnerstagmorgen nur noch das richtige Knöpfchen zu drücken. 

10:00 | Die Spülmaschine zirpt dezent, ich kann sie also zum Ausdampfen öffnen und endlich starten. Es steht nämlich einiges auf meiner To-do-Liste.

Ich muß ein Päckchen abholen – mein Tischstativ ist endlich gekommen, hurra! Das brauche ich in dieser statischen Zeit, damit ich meine zauberhaften Piepmätze und gelegentlichen Eichhörnchen ohne Wackler fotografieren kann. Die Kamera ist ja wenig unterwegs momentan…

Ich habe eine ziemliche Ladung Zeug für den Glascontainer, die werde ich heute auch endlich los.

Ich fahre bei meiner Mama einen distanzierten Kaffee trinken. Dabei erbe ich eine wunderschöne Zeichnung, die ein Pariser Maler auf Montmartre vor 60 Jahren von ihr gemacht hat – die hing mein Elternhausleben lang immer sichtbar irgendwo, jetzt hängt sie bei mir. Ein heimeliges, warmes Gefühl…

Zu guter Letzt muß ich auch noch einkaufen, wie immer seit Beginn der Viruskrise mit genauem Plan für möglichst eine Woche; als eingefleischte Täglich- und Spontaneinkäuferin bin ich in dieser Hinsicht wirklich stolz auf mich.

Zu Hause angekommen, versorge ich erst einmal die ganzen Einkäufe. Und mache mir ein Butterbrot, jetzt habe ich nämlich richtig Hunger.

14:00 | Endlich mal an den Schreibtisch. Hauptsächlich mache ich Ausdrucke von Erledigtem und krame sie in die richtigen Mappen. Mir fällt momentan das organisierte Arbeiten ziemlich schwer, ich geb’s zu – und finde es selber doof. Aber es ist, wie es ist. Das stört außerdem bis auf mich selbst gerade kaum jemanden, da meine Kunden eher mit Verschieben, Zurückstellen und Absagen beschäftigt sind als mit Perspektivischem. Ich verstehe das gut, aber es hat natürlich Auswirkungen auf meine Auftragslage… 

15:30 | Ich mache das Büro zu und ziehe wieder nach oben in die Wohnung um. Richte mein neues Stativ ein, quatsche ein bißchen mit dem baM, räume gewaschene Wäsche auf und weg, mache mir einen Kaffee, telefoniere mit meinem Bruder und seiner Frau, telefoniere mit einer lieben Freundin, die ganz schön tapfer ist in dieser Krise, und höre dann auf zu telefonieren, weil mir eher nach meinem mentalen Schneckenhaus ist.

18:00 | Ich bereite die Rosenkohl-Quiche und den Salat vor, denn heute kommt meine Nachbarin zum Essen zu uns, weil diese Woche ihre Küche unbenutzbar ist. Das ist doch kein Problem, wir Freundinnen bekochen sie reihum mit! Und wir werden also zu dritt essen und das kommt mir fast vor, als täte ich etwas Ungehöriges…

Und das war jetzt wirklich kein normaler Corona-Krisen-Tag. Zufällig hatte ich heute besonders viel auf dem Zettel, meistens passiert derzeit deutlich weniger hier… Denn zum vernünftigen Abarbeiten von administrativen Dingen, à la Steuererklärung 2019, kann ich mich irgendwie nicht aufraffen, habe eher das Bedürfnis, wenigstens freudvolle Dinge tun zu wollen. Und ständig bin ich ungewohnt müde vom ungewohnten Nicht-Stress – und vom vielen angestrengten Entspannt-Sein.

Eine merkwürdige Zeit, die wir gerade erleben. Und die schöne blaue Arbeitsbrille vom Foto ist auch kaputtgegangen, einfach so, menno!

Nun verlinke ich meinen Beitrag noch rüber zum aktuellen #WmDedgT von Frau Brüllen, wo unter ihrem eigenen Beitrag auch eine Linkliste der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu finden ist.

(Die vielen schönen Beiträge kann man unmöglich alle lesen – ich kriege das jedenfalls zeitlich nicht hin. Deshalb picke ich mir immer den ersten Blog mit interessant klingendem Namen raus und ab da stur jeden zehnten und diese Auswahl lese ich dann. So komme ich mit der Zeit auch ganz schön rum…)


 

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