Es fing damit an, daß mein Vater sagte: „Du denkst ja wohl nicht, daß wir Dir alles komplett bezahlen können. Du mußt Dir schon einen Job suchen.“ Und weil ich wegen Einschulung mit fünf plus zwei Kurzschuljahren mein Abi schon mit 17 gemacht habe, sind es mittlerweile tatsächlich vierzig Jahre, die ich arbeite – gegen mehr oder meist weniger Geld.

Übrigens, für alle Gymnasiumsbeschleuniger sei vorausgeschickt: 17 ist echt arg jung, um wirklich zu wissen, was man mit seinem Leben machen will!

Während der beruflichen Entscheidungsfindung deshalb ein Jahr (als Vertretung der damals schwangeren Tanzlehrer-Gattin) Tanzlehrerin bei Heyden-Schnitzler – mancher wird sich noch an Aachens einst renommierteste Tanzschule erinnern…

Mit Beginn des Grafik-Design-Studiums wurde ich „Springerin“ bei Euroform in der Süsterfeldstraße – die machten Tropfenabscheider für die Chemieindustrie und sind längst nicht mehr, wo sie damals waren.

Mitten im Studium dort bereits als „Leiterin (= Ein-Frau-Abteilung) Werbung/PR“ ins kalte Wasser geworfen. Verrückt.

Von da wechselte ich zu VYGON am heutigen Prager Ring – damals noch Göbbelgasse – und zeichnete dort als einer von drei Grafikmenschen hauptsächlich Katheter und Kanülen für Produktkataloge. Und wir gingen auf viele Messen, neues Tätigkeitsfeld. Von meinem dortigen Chef habe ich außerdem mehr über Typografie gelernt als je in der FH, wofür ich ihm immer dankbar bleibe.

Dann ergab sich die Chance, in Aachens größter Werbeagentur – Thouet – als Assistentin des Chefs im größten Team zu arbeiten, und ich ergriff sie. Hätte jeder gemacht damals. Hätte ich nicht gemacht, wenn ich gewußt hätte, daß es mit Kündigung eine Viertelstunde vor Ende der halbjährlichen Probezeit endete… Alles in allem dennoch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und der Grund übrigens, warum mein Büro immer ein kleines Büro blieb.

Aus diesem umfassenden Schock erlöste mich die Position „Leiterin Werbung/PR“ bei CAE in Stolberg, wo ich nach dem Agentur-Intermezzo einige glückliche Angestelltenjahre verbrachte. Das Thema Flugsimulatoren kam meiner Technikaffinität entgegen und die Arbeit war anspruchsvoll und vielseitig. Hier kam ich auch erstmals ernsthaft mit dem Computer als tollem Werkzeug in Berührung. Und ich hatte IT-Typen haufenweise um mich herum, die helfen konnten („Das Kabel ist aber drin?“), wenn es ein technisches Problem gab – welch ein Luxus.

1990 machte ich mich dann selbständig und bin seitdem auch nicht unfleißig. Und so sind – schwupps – vierzig Jahre rum, was für eine Zahl…

All diese Dinge gingen mir gestern durch den Kopf, während ich mich am späten Nachmittag ein halbes Stündchen in der Sonne sonnte und darüber nachdachte, warum ich eigentlich nicht mehr permanent diese Lust zum Power-Powern habe wie noch vor kurzem. Also mit 30 oder so.