Dies ist der persönliche Blog einer Design-und-Text-Handwerkerin. Er dreht sich um ihren grundsätzlich vergnügten Alltag zwischen Beruf und anderen Berufungen. Seit 2008.
Schauplatz > Aachen. | Altersklasse > ja. | Themen > querbeet.

Meinen ersten Corona-Beitrag schrieb ich am 19. März, als wir medizinischen Laien „alle“ noch ganz naiv dachten, das Problem dauert drei, vier Wochen und dann ist alles wieder gut. Entsprechend blauäugig war auch meine damalige Sicht der Dinge, so eine Art munteres Wirschaffendasschon nach gerade mal einer lächerlichen Woche freiwilliger Kontaktsperre und Distanz.

Einen ungefähren Monat später gibt mir ein wunderbarer, weil nachdenklicher und auch ermutigender Blogbeitrag der von mir geschätzten Valérie aus Brühl den Schubs, mich noch mal an die Tastatur zu setzen, um meine aktuellen Gedanken aufzuschreiben.

Was als bedrohliche Pandemie begann und ja längst nicht vorbei ist, mutiert inzwischen zum Politikum. Echt jetzt? Gewiss kann man über die einzelnen Maßnahmen und ihre Wirksamkeit diskutieren, aber daß sie notwendig sind, sollte doch eigentlich unstrittig sein. Dieses Virus ist keine Glaubensfrage! Die relativ niedrigen Sterberaten im Vergleich zu anderen Sterbeursachen bedeuten doch nicht, daß Corona ungefährlicher ist als gedacht, sondern daß die Maßnahmen wirken.

In dieser Krise lernst Du Menschen kennen – auch Dich selbst. Verzweifelst teilweise an der Intelligenz von solchen, die Du lange kennst und für vernunftbegabt und des logischen Denkens für fähig gehalten hattest. Staunst über Politiker, die plötzlich eine gute Figur durch vertrauenserweckende Besonnenheit machen. Ich sage nur Spahn. Merkel sowieso. Stößt ohne böse Absicht ständig distanzlose Freunde vor den Kopf durch Deine eigene Vorsicht und Verabredungsunwilligkeit. Kriegst den Hass auf Leute, die sich mundschutzlos in der Gemüseabteilung über Deine Schulter hinweg etwas zuzischen. Kannst Dich gleichzeitig selbst gar nicht so gut leiden für dieses ständige Abstandhalten, mußt Dich immer wieder zur Disziplin ermahnen… Ich bin kontaktfreudige und eher herzliche Randrheinländerin, herrje, ich nehme Freunde in den Arm, wenn ich sie treffe, ich liebe es, an der Theke der Stammkneipe zu stehen und zu quatschen oder unseren eigenen Tisch mit Gästen zu füllen – mir fällt die momentane Vernunft wirklich nicht leicht!

Umso wichtiger fände auch ich es trotz all meiner Geduld, endlich mal Antworten auf ganz elementare Fragen für den Umgang mit dem Virus zu kriegen. Wie und wo stecken sich die Leute eigentlich trotz Lockdown noch immer an – bei der Arbeit, im ÖPNV, beim Einkaufen, beim Joggen? Wie können wir über Lockerungen nachdenken, wenn wir offenbar immer noch keine leiseste Ahnung haben, was die Hauptsituationen für Infektionen sind? Und warum haben die Experten nach all den Wochen diese Ahnung immer noch nicht?!

Im übrigen, was wir hier Lockdown nennen, verdient den Namen ja gar nicht. Das ist mir klar, seit ich mit meiner Freundin in Toulouse telefonierte und sie mir erzählte, wie ein schlichter Lebensmitteleinkauf bei ihnen momentan organisatorisch abläuft. Dagegen haben wir hier einen freizügigen Vergnügungspark.

Für mich persönlich ist am merkwürdigsten dieser irgendwie diffuse Alltag, der nur selten unterbrochen wird von einem kleineren Auftrag fürs Büro. Die Tage wabern ziemlich konturlos ineinander, weil das Gerüst der üblichen Unternehmungen, Verabredungen und Verpflichtungen fehlt. Mein meist einziger Termin am Tag ist das abendliche Kochen für den baM* und mich, bei allem anderen ist ziemlich beliebig, wann ich es tue. Vielfach sogar, ob ich es überhaupt tue… Damit kann ich, die ihren Alltag normalerweise immer ziemlich gut durchgetaktet hat, zwar umgehen, aber mit dem stets präsenten Gefühl, daß “hier was nicht stimmt”, und regelmäßig sonntags manifestiert durch das Streichen der ursprünglich für die kommende Woche geplanten Dinge.

Jeder von uns hat eine vollkommen unterschiedliche Situation und erlebt darum diese Zeit anders, das ist mir durchaus bewusst, wenn ich hier ganz explizit meine persönliche und sehr komfortable Situation beäuge… Komfortabel in all meiner Systemirrelevanz, weil ich überhaupt die Zeit habe, mir Gedanken zum Jetzt zu machen und mich in Ruhe hinzusetzen und sie aufzuschreiben.

Valérie reflektiert in ihrem besagten Beitrag darüber, wo wir danach hinwollen – damit bin ich noch völlig überfordert. Ich will tatsächlich erst einmal meinen Mann, meine Mutter, all meine Lieben und natürlich mich selbst unversehrt durch diese Zeit gekommen wissen. Und lerne derweil einige neue Videokonferenz-Tools kennen, wie der Screenshot ganz oben beweist… Den ich ziemlich witzig finde.

Denn meinen Humor, den verliere ich so schnell nicht, Du unwillkommenes Virus!


 

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