Nachdenken über Vorbilder… Ein Thema, das auch ohne aktuelle Anlässe immer wichtig ist – und genau jetzt gerade auch. “Vorbild ist eine Person oder Sache, die als richtungsweisendes und idealisiertes Muster oder Beispiel angesehen wird. Im engeren Sinne ist ein Vorbild eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht.” (Wikipedia)

Man guckt sich in der Politik um und vermisst sie fast schmerzlich – die Persönlichkeiten, die zum Vorbild taugen. Wo sind Ecken, Kanten, Meinungen? Die Wirtschaftsbosse, jedenfalls die öffentlich wahrnehmbaren, scheinen fast ausnahmslos charakterarme Profitmaximierer in vor allem eigener Sache zu sein. Wo bleibt die Moral, wo die Ethik, wo das Gefühl für Verantwortung? Die Kulturschaffenden teilen sich auf in einerseits allzu mitteilsame Selfie-Junkies und andererseits ganz scheue Öffentlichkeitsverächter, hier finden sich also – wenn überhaupt – eher unerreichbare Idole als taugliche Vorbilder. Und die Wissenschaft kocht sowieso ihr internes Süppchen, darüber weiß man als Normalmensch fast gar nichts, schon gar nicht über handelnde Personen.

Große, bedeutende Vorbilder sind rar geworden. Nicht nur, weil Menschen mit erkennbarem Charakter scheinbar keine Chance mehr haben, “nach ganz oben” zu kommen, sondern auch, weil der Respekt vor Privatheit mehr und mehr schwindet, weil alles ans Licht gezerrt wird und weil dann schlußendlich niemand, wirklich niemand mehr perfekt und vorbildtauglich ist…

Ich will es aber gar nicht wissen, was Romy Schneider “wirklich” noch so angestellt hat oder welche Amouren Marylin Monroe “wirklich” noch hatte. Ich will auch nicht wissen, wieviele Nebenleben Helmut Schmidt “wirklich” hatte oder wie die Supertramp-Jungs “wirklich” miteinander umgingen. Ich will die bewunderten Prominenten meines Lebens nicht entzaubert haben. Wirklich nicht.

Denn meine echten Vorbilder, die fand und finde ich sowieso in meiner eigenen kleinen Welt, nicht in der großen, weit entfernten. Mein Vater, natürlich, erstes Vorbild in einem Mädchenleben, wegen seiner fundierten Eloquenz und seines erfolgreichen Netzwerkens… Meine Deutsch-Lehrerin, die uns Teenies als erstes mal beibrachte, jeden Tag die Zeitung zu lesen, und die uns auf der Klassenfahrt nach Berlin im Stapeln von geleerten Stupsfläschchen schlug… Mein PR-“Papa” Günther Schulze-Fürstenow, von dem ich so viel über Moral und Ethik meines Berufsfeldes gelernt habe… Die vielen tollen Frauen, die ich kenne und die ihre teils verschlungenen Wege so überaus beherzt und humorvoll meistern… Solche Menschen aus dem wirklichen Leben sind es, von denen ich mir gerne etwas abgucke.

Zu unser aller Wohl hoffe ich, daß auch die heutigen Jungen immer gute Vorbilder finden. Erst natürlich in ihren Eltern, später dann aber auch in weiteren Menschen – vielleicht sogar in dem Einen oder Anderen von uns… Woran sollte man sich denn sonst orientieren, wenn man gerade erst anfängt, die Welt zu erobern? An Präsidenten, Kanzlern und anderen Potentaten? Lieber nicht.

Das Foto zeigt ein Schaukasten-Detail aus dem Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen.


 

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