Toll gemacht – alle Achtung, theaterausbruch! (Kannte ich vorher gar nicht, ich gebe es zu…) Wenn man sich einmal an das Hin- und Hergespringe zwischen Mitteln, Medien und Orten gewöhnt hat, ist es beeindruckend, wie die Geschichte um die arbeitslos gewordene Alleinerziehende Elli, die sich nun als “Alltags-Engel” selbständig macht, immer wieder zum roten Faden zurückfindet und lose Enden zusammenknüpft. Die Schauspieler agieren über alle Altersstufen hinweg glaubwürdig, natürlich und sympathisch. Das hat viel Freude gemacht! Obwohl es “nur” eine Probe mit allen dazugehörenden Schwächen war – und ein von Spielort zu Spielort wanderndes Publikum bietet eine Menge Potential für organisatorisches Chaos.

Drei Stunden sind natürlich arg lang, das kann man drehen und wenden, wie man will, das ist so. Das Liebenswerte des Viertels “Aachen-Nord” hätte man auch locker in zwei Stunden rüberbringen können. Wir wären dann nicht ganz so durstig, hungrig und irgendwie ziemlich k.o. nach Hause gekommen…

Sehenswert? Durchaus, für Freunde des experimentellen Theaters und für Freunde des Aachener Nordens sowieso. Vor allem bei trockenem Wetter, bei Regen bitte wetterfest ausrüsten für die Wege zwischen den Spielorten. Regen hatten wir aber heute glücklicherweise nicht, sondern das totale Gegenteil.

Und hier für alle neugierig Gewordenen noch ein Stückchen offizieller Text:

Aachen-Nord: Engel zu mieten (Stück von Martin Goltsch)
Als die alleinerziehende Elli Engelmann aus Aachen-Nord auch noch ihren Job verliert, zieht sie als grotesker Engel auf ihrem Fahrrad durch das Viertel und bietet ihre Dienste an. Aus einer hilflosen Situation entwickelt sich dabei eine berührende Reise zu den Anwohnern und ihren Lebenssituationen zwischen Arbeit, Nachbarschaft und Kunst. Die phantastischen Geschichten der Kunstfigur Elli Engelmann vermischen sich mit den Erfahrungen, Träumen und Ängsten aus dem Viertel. Es entsteht eine fiktive Wirklichkeit, die der Realität in nichts nachsteht. Die spartenübergreifende Theaterinstallation hat im Ludwig Forum ihren Ausgangspunkt und bezieht angrenzende Arbeits- und Geschäftsräume sowie Privatwohnungen an der Jülicher Straße als ungewöhnliche Spielorte mit ein.
Premiere: Sonntag, 22.5.2016, 17.00 Uhr | Infos: theaterausbruch


 

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