​In eine Schublade von 45 x 45 x 15 cm passen ganz schön viele aufgehobene Briefe, Postkarten, Eintrittskarten und Hotelprospekte… Die ewige Sammlerin – fast mein ganzes Erwachsenenleben in einer Box.

Die wollte ich schon länger aufräumen und freimachen für anderes. Jetzt habe ich mich endlich getraut. Denn es war mir ja klar, daß ich nicht einfach den Packen Papier ungesehen nehmen und in den Papiermüll befördern können würde. Ich habe mich also dieser geballten Ladung von Gestrigem ergeben…

Habe mich beim Durchsehen oft gefreut, mich auch mal geschämt, mich wieder genauer erinnert. Dabei gemerkt, wie sehr unsere Erinnerung mit den Jahren vieles weichspült für uns selbst – glücklicherweise. Und habe es zwar gewusst, aber nochmal deutlich gesehen, wie sehr doch die vermeintlich kleinen Entscheidungen unseren Weg im Leben beeinflussen.

Der eine Streit, über den wir einst nicht hinweglieben konnten. Der eine Blitz, der uns vermeintlich schicksalshaft traf und am Ende doch ohne Bedeutung war. Die eine Verletzung, die zu viel war und nicht auch noch ausgehalten werden konnte. Die längst verdrängten, nie aufgelösten Konflikte, die man lieber nicht wieder aus dem inneren Tresor hervorholen möchte. Die nicht erhörten Liebeserklärungen und auch das eigene Nicht-gehört-Werden… Aber natürlich auch die vielen, vielen schönen Erlebnisse! Ein ziemlich heftiges Wechselbad der Gefühle, ich sag’s Euch.

Doch nun sind die wichtigsten Erinnerungen digitalisiert und meine Schublade ist frei für anderes. Sorry, liebe Historiker… Freuen werden sich aber auf jeden Fall die Philatelisten-Freunde meiner Nachbarin, denn sie bekommen einen interessanten Packen älterer Briefmarken aus aller Welt.

Und ich bin wirklich erleichtert, daß ich an dieses emotionale Projekt ein Häkchen machen kann.

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