Es passierte in den frühen 80ern, ich arbeitete bei einem Flugsimulator-Hersteller in Stolberg, wo im damals angegliederten IBM-Systemhaus auch Schulungen für Kunden durchgeführt wurden. Die Werbe- und PR-Abteilung, das war nur ich, und die Schulungsabteilung, immerhin zwei Kolleginnen, teilten sich gutgelaunt ein Büro. Wir hatten nette Kollegen, maßvollen Druck und viel Spaß bei unserer Arbeit. Und bei manchem Erlebnis mit Kunden – so auch diesem:

Anruf eines ungehaltenen, beschwerdewilligen Schulungskunden, fehlgeleitet auf meinen Apparat. “Das tut mir leid, Sie sind hier in der Werbeabteilung gelandet, ich verbinde Sie eben weiter in die Schulungsabteilung.” Ich bin Frau zwei in der Reihe seiner Gesprächspartner, denn als erste hatte er ja schon unsere Empfangsdame am Apparat.

Die Kollegin geht dran, hört sich freundlich die Beschwerde an, bleibt aber in der Sache unbeugsam, kein Nachlass, keine Wiedergutmachung – sie hält die Beschwerde für ungerechtfertigt und sie ist Frau drei in dieser Telefonkette… Der Kunde herrscht sie an: “Verbinden Sie mich mal mit Ihrem Vorgesetzten!”

Der Mann wird wunschgemäß von ihr weiterverbunden – zu ihrer Chefin. Die vierte Frau! Daraufhin poltert er in den Hörer: “Arbeiten bei Ihnen eigentlich überhaupt keine Männer?!

Ja, und deshalb steht schon seit 1990 dieser gut angezogene und überraschend strapazierfähige Kerl (mehrere Umzüge…) aus Pappmaché in meinem Büro, damit ich immer mit einem Augenzwinkern auf einen hier arbeitenden Mann verweisen kann.

Gleichzeitig möchte ich mit dieser kleinen Weiber-Geschichte heute der neuen CDU-Vorsitzenden zur Wahl gratulieren. Nicht meine Partei, nicht meine Denke, aber ein schwesterliches “chapeau” von mir, Frau Kramp-Karrenbauer! Machen Sie es bitte gut.


 

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