In unserem überschaubaren Aachen wirkt es momentan an vielen Stellen so, als konzentriere sich die Verkehrspolitik hauptsächlich aufs Fahrrad – ohne daß ich parallel etwas darüber höre, daß Menschen sich über Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr freuen, in dem Sektor scheint also noch eher wenig zu passieren.

Aber das Fahrrad als ideale Lösung für alle? Ganz pragmatisches „Nein“ von mir. Obwohl ich selbst ja sehr häufig mit dem Rad statt mit dem Auto unterwegs bin. Jedoch

…nur, solange ich beweglich genug bin und nach dem Radfahren keine Extra-Zipperlein wie Knieschmerzen o.ä. bekomme.
(Also hoffentlich noch sehr lange.)

…nie bei Regen, wenn ich das vorher weiß.
(Nassgeregnet beim Kunden oder bei einer Einladung ankommen? Oder mit Extratasche für Extraklamotten? Ein No-go für mich.)

…nie bei über 26°C Außentemperatur.
(Mein armer Kreislauf. Und immer dieser rote Kopf…)

…nie bei unter 8°C Außentemperatur oder gar bei Schnee.
(Bibber… Rutsch…)

…nie bei einem größeren, schweren Einkauf. Und keinesfalls mit Golfzeug zum Golfplatz.
(Ich habe und will auch kein Lastenrad.)

…nur bis zu einer gewissen Entfernung.
(Sonst brauche ich zu lange bis zum Ziel. Das mag aber mein ganz spezielles Langsamfahr-Problem sein…)

Jedenfalls ist eine alltagsverträgliche Radelei einigen praktischen Einschränkungen unterworfen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Für noch Ältere kommen noch mehr Handicaps hinzu, weshalb gerade sie eher auf Bus und Bahn angewiesen sind. Wieder andere haben Angst im Straßenverkehr oder trauen ihrem Gleichgewichtssinn nicht – es gibt so viele persönliche und deshalb auf jeden Fall ernstzunehmende Gründe dagegen.

Ich selbst finde Radfahren als Fortbewegungsart schon seit meiner Schulzeit großartig! Es ist deshalb bis heute Teil meines Lebens geblieben. Obwohl ich selbst auch oft Angst habe innerhalb des Aachener Grabenrings, und das liegt erheblich häufiger an den Bussen als an den Pkws… Bei aller Liebe zum Radfahren – und natürlich auch zu meinem mittelalten Mini – befürworte ich jedoch insgesamt für unser aller Mobilität die differenziertere und umfassendere Sicht des Bürgerrats Klima:

Alle Maßnahmen und Entscheidungen von Bund, Ländern und Kommunen im Bereich der Mobilität müssen ab sofort mit oberster Priorität das Ziel der weitgehenden Klimaneutralität berücksichtigen. … Die Verkehrsvermeidung von klimaschädlichem Verkehr ist dabei ebenso wichtig wie die Verkehrsverlagerung auf attraktive, schnelle und sozial verträgliche Alternativen in Stadt und Land. … Der öffentliche Verkehr, Radverkehr und Fußverkehr muss Priorität vor dem motorisierten Individualverkehr haben und im Fernverkehr der Bahnverkehr vor dem Flugverkehr.

Ich bin zuversichtlich, daß auch Aachen irgendwann einen vernünftigen Verkehrsmittel-Mix hinbekommt, dem alle (!) Beteiligten etwas abgewinnen können… Wir sind auf dem Weg.​ Sind wir doch, oder?!

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