O.k., ich bin natürlich aus dem Alter raus, wo man aus augenfälligen Gründen in sein eigenes Aussehen verliebt sein kann. Doch auch, als ich noch eine viel jüngere Frau war, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, mich ununterbrochen selbst zu fotografieren. Ich habe mich gefreut, wenn es ab und zu mal einen hübschen Schnappschuß von mir gab, und gut war’s. Selbst heute, wo ich als Frau eines Nicht-Fotografierers im Fotoalbum so gut wie unsichtbar bin, erliege ich höchst selten der Versuchung, auch mal ein Selfie als “Beweisfoto” zu machen – seht her, ich war mit in Italien, Spanien, wo auch immer.

Diese – hauptsächlich weiblichen – Wesen heutzutage, die scheinbar ausschließlich nur um sich selbst und ihr Aussehen kreisen, die wirken so entsetzlich oberflächlich, es macht mich ganz deprimiert, diese Generation(en) heranwachsen zu sehen, die dann irgendwann mal Verantwortung für unsere Welt übernehmen werden. Finden die vielen schönen Mädels denn wirklich nichts Anderes, nichts Weiteres, woran sie ihr Herz hängen können oder wofür sie sich engagieren möchten? Nur ihr Aussehen? Du lieber Himmel. Mal ist es ja lustig, dauernd ist es nah an peinlich…

Schon im privaten Bereich kann ich mit schwerpunktmäßig Selbstverliebten wenig anfangen. Und wenn sich bei mir jemand beruflich bewirbt, so wird er/sie gegoogelt, ist ja wohl klar. Wenn ich dabei dann eine unendliche Aneinanderreihung von Selfies-und-sonst-nix (Mucki-Bude! Duck-Face! Finger-V! Orrr.) finde, dann ist auch mein Arbeitgeber-Interesse augenblicklich erloschen. Ich sag’s nur mal.

Und sehr erheiternd finde ich übrigens die Vorstellung, wenn so ein Selfie-Girl später im Leben mal den Enkeln Fotos von sich als junge Frau zeigt… “Oma, warum hast Du den Mund immer so komisch?” Gnihihi.


 

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