Bei der gestrigen Ausstellungseröffnung habe ich etwas wiedergefunden – ein in der Realität längst verschwundenes Wandbild, neudeutsch „Street Art“, an dem ich Ende der 70er Jahre fast täglich zweimal vorbeiging und das mir all die Jahre im Kopf geblieben ist.

Ich habe gestern außerdem gelernt, wie sehr unsere Erinnerung Bilder im Kopf verfälscht. Und ich habe gelernt, es ist gar nicht von Klaus Paier gewesen, sondern von seinem Freund Josef Stöhr. Auch gut! Der Text des Bildes hat es jedenfalls nachhaltig und verfälschungsfrei in meine Erinnerung geschafft: „Lauft schneller, die alte Zeit ist hinter uns her.“

Wie mag sich eine piepsjunge Kuratorin wohl fühlen, die eine große Rede auf eine kleine Ausstellung halten will – wenn im Publikum zahlreiche Altergenossen und Weggefährten des Künstlers versammelt sind, sie selbst aber zur Zeit des Geschehens vermutlich noch gar nicht geboren war? Das kann ja nur zu Worthülsen führen, die den damaligen Zeitgeist nicht annähernd erfassen…

Den treffendsten Kommentar hat ein alter Freund unter Pseudonym auf Facebook geschrieben, mehrere andere inzwischen auch. Und ich selbst habe gestern abend gemerkt: der Kunst“betrieb“ hat mich verloren. Ich – Kind von Gegenverkehrs-Gründungsmitgliedern und daher von klein an durchaus kunstbetrachtungsgeübt – kann diese Schlaumeiereien in der ewig gleichen, abgehobenen, lebensfernen Sprache nicht mehr hören.

Ich werde selbstverständlich weiter Kunst gucken gehen und staunen oder den Kopf schütteln, aber Vernissagen in der etablierten Museumsszene tue ich mir nicht mehr an.

Was war der Gegenverkehr?