15-04-18-pauls

Die Schwester meines Opas war mit Rolf verheiratet. Rolf geisterte als ziemlich respektgebietende, preußisch-aufrechte Erscheinung und ein(!)armig – wie faszinierend für ein Kind – gelegentlich auf Familienfesten durch mein frühes Leben, begleitet von meiner Großtante, die mich vor allem durch eine ellenlange Zigarettenspitze und auch sonst eine mondäne Attitüde beeindruckte… Die große Welt, ein schillerndes Anderssein kam mit den beiden stets zu Besuch nach Angermund ins Haus meiner Großeltern – und manchmal auch zu uns nach Aachen.

Immer wurde einem dann irgendwann zwischen Kaffee und Kuchen zugeraunt, Rolf sei schließlich ein wichtiger Mann und der erste deutsche Botschafter in Israel nach dem Krieg gewesen. Das interessierte mich als Kind eher weniger, ich wollte doch viel lieber nur einmal sehen, was sich unter dem kunstvoll umgeklappten Sakkoärmel verbarg. Aber keine Chance.

Gestern abend nun lief in der ARD „50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen“ (nur noch ein paar Tage in der Mediathek zu finden), und mich interessierte das, wegen dieser Rolf-Botschafter-Sache. Diese Dokumentation erklärt ziemlich gut die Stimmung der ersten Nachkriegszeit, die politischen Winkelzüge der Adenauer-Regierung und wie der Jurist Dr. Rolf Pauls dann (im Video etwa ab Minute 38:10) als erster deutscher Botschafter nach Israel kam. Das war bestimmt auch kein spaßiger Moment, am 19. August 1965 in Tel Aviv aus diesem Flugzeug zu steigen.

Ich habe durch die Sendung einiges gelernt und verstanden
und bin jetzt mit großer Verspätung beeindruckt.

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