…sprach gestern abend beruhigend der baM, als wir nach Hause kamen und erstmals die Zahlen der Thüringen-Wahl sahen. Na ja, er sagte auch nach der Trump-Wahl “Wird schon alles nicht so schlimm werden” und mein Vertrauen in seine Orakel-Qualitäten ist deshalb vielleicht ein kleines bißchen erschüttert. Mich jedenfalls graust’s.

Bis vor kurzem schwebte ich ja noch in einer rosaroten Wolke des Weit-entfernt-Seins, Rechtsradikalismus fand in meinem realen Alltag nicht statt. Doch dann hörst Du plötzlich über den Mann einer Freundin, daß er Ah-eff-Deh-Wähler sei. Wie bitte?! Erster Gedanke: Der kommt mir nicht mehr ins Haus! Als nächstes sitzt Du – noch gar nicht lange her – in vermeintlich vertrauter Runde und hörst Deinen Tischherrn, einen Juristen, der also garantiert Geschichtsunterricht auf dem Gymnasium hatte, dieses sagen: “Ich habe die beim letzten Mal auch gewählt. Nicht, weil ich sie an der Regierung haben will, sondern um die Regierung aufzuwecken.” Was?! Meine bemüht sachliche Entgegnung auf diese iditotisch fahrlässige Haltung endete mit “Ich versteh’s nicht!” und ich erntete daraufhin nichts weiter als ein arrogantes “Was Du jetzt gerade verstehst oder nicht, ist mir ziemlich egal.” Dieser Vorfall hat mir vor allem klargemacht, wie sinnlos Reden mit Rechten ist, wenn Dein Gegenüber seine vorgefasste Meinung keinen Millimeter zu überdenken oder sie auch nur schlüssig zu erklären bereit ist. Könnte ja in ein echtes Gespräch ausarten? Mich graust’s mehr und mehr.

Und deshalb habe ich heute morgen eine politische Katerstimmung, die auch durch die Kleinheit von Thüringen nicht zu beheben ist. Und deshalb kann ich es auch nicht lassen, mit dem hier verlinkten PDF eines Gastbeitrages aus der ZEIT ONLINE darauf aufmerksam zu machen, daß es hier in keinster Weise um vernachlässigbare Harmlosigkeiten oder etwas irgendwie Normales geht. Lesen, weiterverbreiten, nicht nachlassen…

Herrje – was für Zeiten.


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