Okay, früher war es mein Augenarzt, Singular. Inzwischen ist es ein „Augen Centrum“ (das mit Augen bestimmt kompetenter umgeht als mit Bindestrichen), Plural in jeder Hinsicht.

Ich gehe mindestens einmal jährlich dort zur Kontrolle, Stichwort Augeninnendruck, und habe nun schon seit Jahren dort keine dreimal hintereinander dieselbe Ärztin gesprochen. Fast jedesmal wieder erzähle ich dieselben Hintergründe – Vater, Glaukom, will ich nicht –, gucke zu, wie meine Akte da auf dem Bildschirm halbwegs interessiert überflogen wird, und höre mir Dinge an…

Meine Hauptsorge wird glücklicherweise immer noch mit „alles in Ordnung“ abgefertigt, aber ansonsten habe ich mir von den unterschiedlichen Ärztinnen und Ärzten schon die unterschiedlichsten Diagnosen abgeholt, zwischen „Sie haben wohl noch circa zwei Jahre Zeit bis zur OP“ – was für eine OP?! – und „So ein Unsinn, Sie brauchen keine OP“ – was für eine OP?! – kann ich mir mittlerweile einiges aussuchen… Seufz!

In diesem sehr fluktualitätsintensiven Centrum passe ich auf die Untersuchungsabläufe außerdem quasi selber auf, damit zum Beispiel nicht getropft wird, wenn gar nicht nötig, oder schon wieder dieses teure bildgebende Verfahren sein soll, was Arzt X angeordnet hat, obwohl Ärztin Z letztes Mal gesagt hat, das müsse nur alle zwei Jahre kontrolliert werden. Und „der Augenarzt“ dient hier ja nur als Beispiel für alle Großpraxen…

Ich fühle mich nicht betreut. Ich fühle mich nicht gesehen. Ich fühle mich alleingelassen. Ich fühle mich wie in eine Maschine geworfen und am Ende wieder ausgespuckt. Ich fühle mich damit nicht wohl!

Ich, Patientin, mag ihn überhaupt nicht, diesen meist herzlosen modernen Medizinbetrieb mit all seinen Zentren und Centren, die den Menschen nur noch als Material, doch nicht mehr als Person wahrzunehmen scheinen.

Das ist kalt. Und bestimmt nicht im Sinne des Erfinders …

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4 Kommentare

  1. Die MVZ’s,Centren und ähnliche sind nicht für Patient*innen konzipiert. Schnelle Standart-Medizin vom Fliessband. Ich empfinde es wie Du, liebe Uschi. Wir werden nicht angesehen, mitgenommen und ich bin diese schlechte Veränderung so leid.

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  2. So ein treffender und so scharfsinniger Artikel, Uschi. In aller Kürze hast du auf den Punkt gebracht, was wir vermutlich alle regelmäßig erleben. Diese Entwicklung ist nicht nur lästig (alles dauernd wieder anderen Leuten erzählen), sondern auch kontraproduktiv, finde ich. Wenn ich mich nicht gut betreut fühle, gehe ich beim nächsten Mal woanders hin und nehme dadurch zusätzliche Zeit in Anspruch, die zusätzlich Geld kostet. Das kann es nicht sein.
    Liebe Grüße, Esther

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  3. Da bin ich froh, dass es in meiner Stadt kein so großes Augenzentrum gibt. Ich gehe jetzt auch regelmäßig zum Checkup (u.a. wegen Diabetes) bei einer Augenärztin, die ich dann auch immer sehe. Meine Schwester geht dort auch hin.

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  4. Du bist da nicht „Uschi“ sondern „das Glaukom“. Und weiter als bis zu deinen Augen kann und darf die jeweilige Ärztin nicht sehen. Zeit und Kostendruck. Und vielleicht auch noch Frust über den Arbeitsalltag, den man sich im Studium doch anders vorgestellt hat.

    Das entschuldigt das Verhalten nicht, erklärt es aber etwas. Unbefriedigend ist es auf jeden Fall.

    Bei mir könnte es in so einem Fall passieren, daß ich meine Zweifel äußere. Auch auf die Gefahr hin, als Querulant bezeichnet zu werden. Wäre nicht das erste Mal. 🙂

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