siehst Du aber noch sehr gut aus – einer der doofsten Sprüche, die ich kenne. Ich meine dabei nicht eine ehrliche Feststellung, wie sie sich enge Freundinnen untereinander schon mal schenken, wenn sie gerade konkret über Knitter oder Grautöne sprechen, ich rede von diesem lässig dahingeworfenen Spruch, der zwar als nettes Kompliment gemeint ist, mich aber meist mit einem schalen Gefühl zurücklässt.

Ich bin seit kurzem 62. Die Jahre der äußerlichen Schönheit sind ziemlich vorbei, an meiner inneren arbeite ich noch – das wäre für mich das berühmte Ruhen in mir selbst. Das scheint ein schwierigerer Prozess zu werden, denn anders als in meinen 50ern, die eher geprägt waren von einem Nochmal-lospowern-Gefühl, muss ich mich in meine 60er erst noch reinfinden… Gestern sagte jemand Nahestehendes sehr treffend: „Nicht mehr jung, aber auch nicht richtig alt“, und das beschreibt auch mein leicht ratloses Selbstgefühl recht gut.

Daß ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich werde gerne älter, ich leide kein bißchen darunter – aber was wird das denn jetzt? Was möchte ich tun, um irgendwann demnächst nicht nur noch mit Haushalt und Umsorgen und Fitbleiben und Kaffeeverabredungen beschäftigt zu sein? Was kommt zum Beispiel als positiver Ausgleich zu den Aufträgen, die mehr und mehr an Jüngere vergeben werden statt an mich, die viel Erfahrenere? Wie lerne ich es, auch meine Ansprüche an mich selbst vielleicht mehr zurückzunehmen oder, besser gesagt, in andere Bahnen zu lenken? Wer will ich sein, wer kann ich sein? Wo finde ich meinen – auch mich erfüllenden – Platz in diesem fortgeschrittenen Leben?

Ich habe noch keine Antwort. Aber es wird sich alles finden, da bin ich ganz sicher. Tut es doch immer…

Um gutes Aussehen geht es jedenfalls bei dieser Nachdenkerei überhaupt nicht.

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