Eine der schönsten Paraden überhaupt ist ja für mich die von Colonel Hathi im originalen Dschungelbuch… Hier ganz nebensächlich, aber damit habe ich meine Überleitung zu einer von Humtata und Uniformität weit entfernten “Blog-Parade” – Lydia ruft Bloggerinnen und Blogger auf zu Beiträgen zum Thema Respekt. Da reihe ich mich doch mal gerne ein!

Der Begriff Respekt ist eine Ableitung aus „respektieren“ = „achten, anerkennen, gelten lassen“ und stammt aus dem Lateinischen „respectus“ = „zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“ und auch „respecto“ = „zurücksehen, berücksichtigen“. Es geht um  die Achtung von Individuen aus Gründen von Wertschätzung oder um  die Achtung und Akzeptanz einer höheren Instanz (Hochachtung) oder um  die achtsame Zurückhaltung vor Situationen. (Quelle: wertesysteme.de)

Keine Sorge, dies wird keine lange Abhandlung über Respekt, sondern nur eine kurze Betrachtung (m)eines kleinen Teilbereiches – Arbeitswelt und Freiberuflerleben und Älterwerden – im riesengroßen Thema.

Theoretisch war mir immer klar, daß das Älterwerden im Kreativbusiness kein reiner Spaß werden würde – jedenfalls nicht, so lange man davon leben können will. Werbemenschen müssen jung und hip und schillernd wirken, nicht mittelalt und erfahren und gelassen… Doch wenn es einen dann in der Realität trifft, tut’s trotzdem weh…

Und das hat – ohne in irgendeiner Weise jammern zu wollen – viel mit mangelndem Respekt zu tun. Die Überstrapazierung meiner antrainierten Dickfelligkeit vollbrachte dabei im Sommer ein langjähriger, nun Ex-Kunde, der mich so demütigend geringschätzig und bar jeglicher Manieren ausbootete, daß mir im Prinzip immer noch die Worte fehlen.

Ich wurde kürzlich 60 und mein Büro gibt es seit fast 30 Jahren, eigentlich muß ich nichts mehr “beweisen” und die reine Tatsache eines so langen Bestehens am Markt verdient schon Respekt… Ich arbeite, seit ich 18 wurde – seit 42 Jahren, wow – und ich liefere über diese lange Zeit bis heute gute Ideen, sauberes Handwerk und funktioniere organisatorisch bestens. Ich liebe meinen Beruf immer noch innig. In der zweiten Reihe Ideen entwickeln und realisieren für die erste Reihe, das ist und bleibt mein Ding.

Doch mein Berufsalltag enthält inzwischen zu viele Leute, die einen Dienstleister nach Jahren loyaler „Zusammen“arbeit ohne ein klärendes Wort wegwerfen wie einen alten Lappen, die einen Scheiß auf solide Erfahrung und praxisnahe Beratung geben und die Know-how nicht ernstnehmen. Hohe Ansprüche gehen mit sehr schlechten Briefings und noch mehr Termindruck einher, hingegen fast nie mit adäquater Bezahlung oder auch nur einer Äußerung von Dank oder Anerkennung.

Hier kommen wahrscheinlich schwindende Umgangsformen in einer immer hektischer und kälter werdenden Arbeitswelt, die unbegreifliche Gering(er)schätzung von weiblicher Kompetenz und eine mangelnde Wertschätzung für die Erfahrung und gute Arbeit von Älteren zusammen, doch in Summe signalisieren viele kleine Alltagserlebnisse vor allem eines immer öfter: Respektlosigkeit.

Das frustriert, das kostet Kraft – und das macht große Lust auf neue Wege!


 

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