Meine Twitter-Lieblinge des Monats finden sich hier normalerweise stets am Monatsende um fünf vor zwölf und damit zu guter Letzt. Doch das Juli-Blingbling wollte mir in seiner üblichen Locker-Flockigkeit nicht in die Tastatur, weil alles Twitterige überschattet ist von Sabines bestürzendem Tod.

Ich gehörte gewiß nicht zu ihrem „inner circle“, doch wir kannten uns, wir mochten uns (bilde ich mir zumindest ein – seit dem bewegenden Nachruf von @derZeitreiser traue ich mich gar nichts mehr fest zu glauben, was Sabine angeht) und stritten uns auch mal. Zwei Krebsinnen, zwei Mimosen, zwei Rechthaberinnen – vielleicht zuviel Ähnliches für ein ruckelfreies Miteinander.

Doch nicht lange vor dem jähen Ereignis waren wir zusammen essen und haben gut miteinander geredet. An dem Restaurant, einem kleinen Italiener in Laurensberg, komme ich fast jeden Tag vorbei, habe ihn früher kaum wahrgenommen, jetzt ist er plötzlich ein wichtiger Erinnerungsmoment in meinem Alltag geworden.

Sabine fehlt, auch uns Aachener Twitterern. Ihr Projekt @wirlebenAC hielt uns wohl am stärksten zusammen, sie hielt an ihm – und damit uns – beharrlich fest, obwohl es im fünften Jahr allmählich echt schwierig wurde, jede Woche einen neuen Kurator für den Account zu finden. Und ihre liebevoll organisierten „Testessen“ führten mehr als alles andere dazu, daß aus Twitternamen echte Menschen wurden – das war dann auch auf Twitter ein anderes Gefühl, mehr Miteinander, mehr Achtsamkeit.

Eigentlich wollte ich viel theoretischer darüber schreiben, was für ein interessantes Phänomen es ist, daß wir – Menschen, nicht Maschinen! – auch in der begeisternden Weltweitheit des Webs immer wieder die Geborgenheit des Regionalen, die Wärme von Heimat mögen und suchen… Doch ich bin keine gute Theoretikerin. Ich bin bei aller Traurigkeit einfach ein bißchen neugierig, ob sich – wenn die erste Schockstarre in der Stadt von @Karl_derGrosse überwunden ist – Menschen finden werden, die Teile von Sabines wichtigem Twitter-Tun fortsetzen wollen und werden.