Mein Foto zeigt die Fotografin bei der Arbeit mit typischen Öcher Motiven.

 

Mein ungewöhnlichster Auftrag des Jahres war sicher der: „Haben Sie Lust, für unsere Glücksorte-Reihe das Buch über Aachen zu schreiben?“ Ihr wisst, ich hatte!

An den Begriff, der für mich anfangs so einen irritierend esoterischen Touch hatte, habe ich mich schnell gewöhnt, denn was gibt es Besseres als Orte, an denen man aus ganz greifbaren, kleinen oder großen Gründen glücklich sein kann, nicht wahr? Die Aufgabe nämlich: achtzig sogenannte Glücksorte in Aachen beschreiben. Nach meiner sehr persönlichen Auswahl, die nur wenigen Regeln seitens des Verlages unterworfen war, zum Beispiel – keine Friedhöfe! Weshalb sich auch der faszinierende, stadtgeschichtlich so interessante Campo Santo leider nicht im Buch findet. Jedenfalls wurden pro Glücksort eine Seite Text plus ein großes Foto gebraucht und für alles gab es vier Monate Zeit bis zur Manuskriptabgabe. Uiii… Als erstes fragte ich meine professionell fotografierende Freundin, ob sie mitmachen würde, denn wie sollte ich das alles – Texte und Fotos – alleine schaffen? Und, hurra, sie wollte gerne mitmachen.

Nun galt es, sich über die achtzig Orte Gedanken zu machen, schließlich brauchten wir einen Plan. Meine erste Liste landete bei ungefähr sechzig spontanen Ideen… Um nicht ganz tunnelblickig zu arbeiten, machte ich außerdem eine kleine Umfrage in meinen Netzwerken – Freundeskreis, Twitter, Facebook. Viele der Antworten waren dabei deckungsgleich mit meinen eigenen Glücksorten, aber es kamen auch welche hinzu, die mir selbst nicht auf Anhieb eingefallen waren, und es kam sogar eine Reserveliste dabei heraus. Großartig!

Als nächstes bekamen die Leute, mit denen wir reden mussten – damit ich hinterher schreiben konnte und wir auch eventuell nötige Fotoerlaubnisse bekamen –, einen ausführlichen Brief, der schon einmal erklärte, worum es geht, und die Adressaten um einen Terminvorschlag bat; das hat in vielen Fällen prima geklappt, in anderen mussten wir ein bißchen bitten, und verblüffend ist auch, wieviel Echtpost in Aachen verlorengeht. Und dann gab es natürlich jede Menge Orte, die ich so gut kenne, daß ich ohne Interview, also nur mit Recherche darüber schreiben konnte, und die auch fotografierbar waren, ohne daß man jemanden hätte fragen müssen. Mit anderen Worten, wir hatten es von Glücksort zu Glücksort mit sehr unterschiedlichem Zeitaufwand zu tun – inklusive Fotografieren, Recherchen oder Gesprächen und dann dem schlußendlichen Schreiben zwischen zwei und fünf Stunden, schätze ich mal.

Wir haben während dieser ganz besonderen Arbeit in der Zeit zwischen Anfang Januar und Ende April wenig anderes tun können, aber wirklich sehr viel Freude gehabt – unsere Zusammenarbeit war beglückend harmonisch (ich kann Marie-Luise Manthei und ihre freundlich-zugewandte Nicht-Hektik bei Fototerminen wirklich nur jedem empfehlen, der professionelle Fotos braucht), die Gesprächspartner waren größtenteils toll, das Wetter spielte an fast allen Fototagen phantastisch mit und dank ausgefeilter Arbeitsliste und Planung haben wir schon eine Woche vor der Deadline abgegeben. Ganz nebenbei haben wir außerdem unser altes Heimatkunde-Halbwissen in solides Wissen über unsere Lieblingsstadt verwandeln können…

Die größte textliche Herausforderung für mich war übrigens der Dom – wie sollte ich den denn bloß auf nur einer Seite zufriedenstellend beschreiben?! Ich habe ihn dann in ein Außen und ein Innen geteilt, ihn quasi respektlos-unwissenschaftlich betrachtet und eher emotional beschrieben – so ging’s in dieser Kürze und wurde sogar (…das Dom-Gefühl getroffen…) von einer gestrengen Ur-Öcherin huldvoll abgenickt.

Die Texte und Fotos zu fünf Ausflugszielen und Aussichtspunkten, drei Brunnen und Denkmälern, sechzehn Einzelhandelsgeschäften, drei großen Öcher Events, achtzehn Gastronomie- und Genussbetrieben, zwei Handwerksbetrieben, zwei Hochschulbauten, einem Kino, drei Kirchen, sieben Museen, vier Parks und Gärten, sechs schönen Plätzen, einem Schwimmbad, vier Spaziergängen, drei Technikdenkmälern, einem Tierpark und einer Wellness-Oase wurden von der netten Lektorin aus Leipzig wirklich komplett “auf links gedreht” und gewissenhaft geprüft, und nun ist das Buch im Druck oder sogar schon in der Weiterverarbeitung, jedenfalls sehr bald fertig! Für mich war es natürlich auch eine ganz neue berufliche Perspektive, mit dem Satz und der grafischen Gestaltung eines Buches absolut nichts zu tun zu haben… Sondern “nur” die Autorin zu sein, yeah!

„Glücksorte in Aachen“ – diese bodenständig-charmante Ergänzung zu einem normalen Reiseführer wird in der zweiten Septemberwoche erscheinen und wir sind schon ziemlich aufgeregt, es dann endlich auch selber in die Hand nehmen und durchblättern zu können. Es gibt bereits über 400 Vorbestellungen von Einzelpersonen, hat mir der Verlag gesagt, und das sei “keine schlechte Zahl”. Wow.


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