Dies ist der persönliche Blog einer Design-und-Text-Handwerkerin. Er dreht sich um ihren grundsätzlich vergnügten Alltag zwischen Beruf und anderen Berufungen. Seit 2008.
Schauplatz > Aachen. | Altersklasse > ja. | Themen > querbeet.

Erster Urlaubstag: 30. September.

10:15 | Wir haben den Mini mit zwei Reisetaschen bepackt und fahren los in Richtung Lüttich – unser Ziel für vier Tage heißt Ostende und es ist unsere erste urlaubsähnliche Unternehmung dieses Jahr. Für Belgien herrscht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes nur für Brüssel und Antwerpen, wir wähnen uns also auf der sicheren Seite mit unseren paar Tagen Seeluft. An die Küste fahren, das hat für uns Aachener kaum den Charakter einer richtigen Reise.

10:30 | Kaum auf der Autobahn, macht es „Pling!“ und die Reifendruckanzeige erstrahlt in tiefem Alarmrot. Das hatte ich noch nicht, ich kenne sie nur gelb und rot ist bestimmt schlimmer. Also an der Abfahrt Baelen/Eupen wieder runter von der Autobahn, bei der nächsten Stoppmöglichkeit checken wir die Reifen – nix zu sehen. Langsam Aachen-wärts (eventuell müssen wir ja das Auto tauschen) weiter bis zum ersten Reifentypen, den finden wir in Eynatten. Ein sehr freundlicher junger Mann wirft fachmännische Blicke, macht dann unsere Reifen wieder stramm und uff, die Anzeige ist weg. Der baM* ist perplex, hatte er sich doch vor zwei Tagen höchstpersönlich um die Luft „am kleinen Auto“ gekümmert…

11:15 | Nun sind wir eine größere Schleife gefahren, aber endlich auf dem Weg. Wir fahren über Brüssel und kommen ohne nennenswerte Staus durch. Ich fahre eine gemächliche Reisegeschwindigkeit von 120 km/h, das ist stressfrei und kostet kaum mehr Zeit als ständiges Gasgeben und doch wieder Abbremsenmüssen.

14:30 | Wir treffen am Hotel ein und freuen uns über ein wirklich schönes, geräumiges Zimmer. Mit Elternbett und Kinderbett, lustig.

15:30 | An der Strandpromenade sitzen, Kaffee trinken, Croque Monsieur essen (das ungefähr liebloseste jemals) und durchatmen – wir fühlen uns angekommen. Wir freuen uns auf Fritten und Muscheln und barfuß im Sand spazieren.

16:30 | Ein erster Weg am Meer entlang und in der zweiten Reihe – wo die Restaurants sind – zurück. Irgendwie wirkt Ostende ein bißchen wie im Abbruch begriffen… Sandhaufen liegen auf der Promenade herum, abgebaute Werbetafeln lehnen an Geländern, Holzbuden werden mit großen Kränen vom Strand auf LKWs gehoben, viel geschlossene Gastronomie, man fühlt sich ein bißchen fehl am Platz. Aber der Himmel ist schön dramatisch und schenkt mir ein paar ganz nette Fotomotive.

19:00 | Wir essen sehr großartig zu Abend im „Lobster“, das können wir für Meeresgetier aller Art bedenkenlos weiterempfehlen. Großartig ist es übrigens für mich immer dann, wenn es schmeckt, mir neu ist und mich außerdem neugierig aufs Rezept macht… Auch Corona-mäßig ist man hier echt auf Zack, Salz und Pfeffer in vorbereiteten Portionen, transparente Trennwände zwischen allen Tischen und natürlich konsequentes Maskentragen. Satt und glücklich spazieren wir den kurzen Weg zum Hotel zurück.

21:30 | Eine nette Twittererin schickt mir die knackfrische Info, daß das ZDF soeben gemeldet hat, die Bundesregierung habe die Reisewarnung auf ganz Belgien erweitert. Und jetzt?! Mehr Arschkarte geht gar nicht für uns… Wir schlafen nur so-la-la.

Letzter Urlaubstag: 1. Oktober.

11:00 | Wir haben beratschlagt,  gefrühstückt, unser Zeug wieder eingepackt und brechen um Punkt halb zwölf auf in Richtung Heimat. Wir waren ziemlich genau 21 Stunden außerhalb unseres Auto-Kokons in Belgien, hatten mit dem Rezeptionisten hinter seiner Plexiglasscheibe und dann abends mit der maskengeschützten Kellnerin im Restaurant für mehrmals ein paar Minuten zu tun und unser direkt nach Heimkehr – weil Gesundheitsamt nicht erreichbar – telefonisch konsultierter Hausarzt meint, Quarantäne sei unter diesen Umständen nicht nötig und ein Test nur dann zu machen, wenn wir Symptome an uns beobachten… Also leben wir einfach so vor- und umsichtig weiter wie bisher auch.

Ja, so war das mit unserer denkwürdigen Jahresauszeit 2020 – quasi ein echter „urlaubus interruptus“. Wir bleiben jetzt, wo wir sind. Lebe ich halt noch eine weitere Weile ohne Meer…

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