Dies ist der persönliche Blog einer Design-und-Text-Handwerkerin. Er dreht sich um ihren grundsätzlich vergnügten Alltag zwischen Beruf und anderen Berufungen. Seit 2008.
Schauplatz > Aachen. | Altersklasse > ja. | Themen > querbeet.

​Ich sag Euch was – ich bin heilfroh, nicht mehr im Studium zu sein oder mich irgendwo bewerben zu müssen. Denn dann müsste ich mich ja tatsächlich ernsthaft mit dieser gendergerechten Sprache (ganz unten sind ein paar Links für Wissbegierige) beschäftigen.

So aber kann ich ziemlich stur dabei bleiben, daß ich nicht sprechen möchte, als hätte ich einen nervösen Schluckauf, sondern spontan und echt, und daß ich keinesfalls mein Schriftdeutsch enorm verhässlichen will durch ständige *, /, (, ) oder _. Daß ich mich nicht ohne Not verheddern will im nebulösen Dickicht des neuen sprachlichen Wohlverhaltens!

Seht Euch nur mal diese kleine „Checkliste für gendergerechte Sprache“ an, zwischen albern und häßlich ist einiges vertreten:

Doppelnennung der männlichen und weiblichen Form (Paarform) Studentinnen und Studenten
Binnen-I ProfessorInnen
Splitting der/die Dozent/Dozentin, die Professor/inn/en, ein/e Mitarbeiter/in
Klammerung Doktorand(inn)en, Seminarleiter(innen)
Gender-Sternchen Student*innen
Gender-Gap Lehrer_innen
Beide Geschlechter in ausgewogenem Verhältnis abwechselnd nennen Student, Professorin, Dozent, Mitarbeiterin

(Gefunden auf mentorium.de)

In Fach- und Sachtexten kann man – und frau, selbstverständlich! – das ja gerne machen, aber alles, was mehr in Richtung Belletristik oder gar Poesie geht, sollte doch bitte aus ästhetischen Gründen verschont bleiben…

Ich bin Jahrgang 1959 und habe die ganze, dankenswerterweise von Alice Schwarzer angeschubste Emanzipations-Bewegung leidenschaftlich mitgelebt, EMMA gelesen, Machos jeden Alters un-heimlich verachtet, mir ständig den Mund fusselig diskutiert und vor allem mit Ausbildung und Berufserfahrung dafür gesorgt, daß ich wirtschaftlich auf den berühmten eigenen Füßen stehen konnte. Besonders letzteres war Machen statt Reden und viel wirksamer als jede hitzige Diskussion.

So ist – für mich – dieses Gendersprachdings vor allem eine gigantische Wortklauberei des Bildungsbürgertums. Ich bin intellektuell nicht überfordert mit dem theoretischen Unterbau und verstehe diesen auch – aber glaubt denn irgendjemand ernsthaft, dadurch ändere sich in absehbarer Zeit das Gehaltsungleichgewicht zwischen Männern und Frauen? Die Häufigkeit häuslicher Gewalt? Die vielen Ungerechtigkeiten gegen Alleinerziehende? Die Verächtlichmachung von Vergewaltigungsopfern? Das Standing beim Bankgespräch? Der Frauenanteil in Aufsichtsräten? Sorry, aber ich glaube da nicht dran… Und der großen Schar gruselig gefallsüchtiger Social-Media-Püppchen, immerhin ein nicht kleiner Teil der just nachwachsenden Frauengeneration, geht das Thema wahrscheinlich sowieso am hingebungsvoll „definierten“ Popo vorbei.

Ich jedenfalls – bekennende Freundin unserer schönen, weil ausdrucksvollen und wortreichen Sprache – schreibe weiter ohne Sternchen, Gap oder sonstige Häßlichkeiten… So müssen dann am Ende auch Franzosen, Briten und andere Fremdsprachler beim Übersetzen (zumindest meiner Texte) nicht verzweifeln. Ob und wie die „Anderen“ das lösen, ist übrigens bei Wikipedia gut erklärt.

Shitstorm, ich bin gewappnet.

 

wikipedia.org

mentorium.de

frauenbeauftragte.uni-muenchen.de

geschicktgendern.de

frauensprache.com

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